
Schwangerschaft
Eine Schwangerschaft ist eine besondere Zeit voller Fragen und Vorfreude – wir begleiten Sie dabei von Anfang an eng und verlässlich. Unser Angebot umfasst die Schwangerschaftsvorsorge mit allen empfohlenen Untersuchungen, spezielle Diagnostik wie Ersttrimester-Screening, NIPT und Präeklampsie-Screening sowie die Betreuung bei Risikoschwangerschaften.
Unsere Leistungen in der Schwangerschaft
NIPT
Blutabnahme zur Abschätzung des Risikos für eine Trisomie 21, Trisomie 13 und Trisomie 18, wird u.U. von der Krankenkasse übernommen
Ersttrimesterscreening
Ultraschalluntersuchung des kindlichen Nackens und Blutabnahme zur Abschätzung des Risikos für eine genetische und strukturelle Fehlbildung (z.B. Herzfehler)
Präeklampsiescreening
Dopplerultraschalluntersuchung der Arterien der Gebärmutter und eine Blutabnahme zur Risikoabschätzung für die Entwicklung einer Präeklampsie ("Schwangerschaftsvergiftung") im weiteren Verlauf der Schwangerschaft
Schwangerschaftsultraschall
Zusätzliche Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft, um das Wachstum und die Entwicklung, sowie das Geschlecht Ihres Babys zu beurteilen.
Immunstatus
Zusätzliche Blutabnahme, um eine evtl. Immunität gegenüber Cytomegalie, Toxoplasmose und Ringelröteln fest zu stellen.
Streptokokkenabstrich
Abstrich aus der Scheide, um eine Infektion mit Streptokokken der Gruppe B vor einer Geburt auszuschließen.
Schwangerschaftsdiabetes-Test
Verbesserter Zuckertest mit genauerem Testergebnis. Nur ein Test notwendig.
Kinderwunsch
Gut vorbereitet in die Schwangerschaft
Der Wunsch nach einem Kind ist ein bedeutender Schritt im Leben. Viele Paare stellen sich in dieser Zeit Fragen wie:
Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Schwangerschaft? Wie kann ich meinen Körper bestmöglich vorbereiten? Und was kann ich tun, wenn es nicht sofort klappt?
Wir begleiten Sie gerne auf Ihrem Weg zum Wunschkind – mit individueller Beratung, medizinischer Untersuchung und gezielter Vorbereitung.
Optimale Vorbereitung auf eine Schwangerschaft
Eine bewusste Vorbereitung kann helfen, die Chancen auf eine gesunde Schwangerschaft zu erhöhen. Dazu gehören körperliche, seelische und medizinische Aspekte.
1. Folsäure und Mikronährstoffe
Bereits vor einer Schwangerschaft wird empfohlen, täglich 400–800 µg Folsäure einzunehmen. Diese unterstützt die frühe Entwicklung des kindlichen Nervensystems und reduziert das Risiko von Neuralrohrdefekten. Zusätzlich können Jod, Eisen, Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren wichtig sein – insbesondere bei vegetarischer oder veganer Ernährung.
2. Impfstatus überprüfen
Vor einer geplanten Schwangerschaft sollte der Impfschutz überprüft und ggf. aufgefrischt werden.
Besonders wichtig sind Röteln-, Masern-, Mumps- und Varizellen-Impfungen, da diese Lebendimpfstoffe sind und in der Schwangerschaft nicht verabreicht werden dürfen.
Die STIKO empfiehlt zudem Impfungen gegen Influenza, Pertussis (Keuchhusten) und COVID-19 – möglichst vor Eintritt der Schwangerschaft. Ihre Frauenärztin bzw. Ihr Frauenarzt berät Sie hierzu individuell.
3. Lebensstil und Ernährung
Eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung mit ausreichend Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten (z. B. aus Fisch, Lein- oder Rapsöl) unterstützt die Fruchtbarkeit.
Rauchen und Alkohol sollten gemieden werden, da sie sowohl die Fruchtbarkeit als auch die Entwicklung des Kindes beeinträchtigen können.
Regelmäßige Bewegung und ein normales Körpergewicht verbessern die hormonelle Balance und erhöhen die Chancen auf eine Empfängnis.
4. Chronische Erkrankungen und Medikamente
Wenn Sie an einer chronischen Erkrankung leiden oder regelmäßig Medikamente einnehmen, sollten Sie dies frühzeitig mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen. Einige Medikamente müssen vor oder während einer Schwangerschaft angepasst oder umgestellt werden.
Aktuelle, wissenschaftlich geprüfte Informationen zur Verträglichkeit von Arzneimitteln finden Sie unter www.embryotox.de (Charité – Universitätsmedizin Berlin).
Fruchtbarkeit und Zyklus
Die Kenntnis des eigenen Zyklus hilft, die fruchtbaren Tage besser zu erkennen. In der Regel tritt der Eisprung etwa 14 Tage vor Beginn der nächsten Monatsblutung auf.
Anzeichen wie vermehrter, klarer Zervixschleim oder eine geringfügige Temperaturerhöhung nach dem Eisprungkönnen Hinweise auf die fruchtbare Phase geben.
Auch Ovulationstests können dabei helfen, den optimalen Zeitpunkt für eine Empfängnis zu bestimmen.
Wenn es nicht sofort klappt
Nicht immer stellt sich eine Schwangerschaft sofort ein.
Etwa 80 % der Paare werden innerhalb eines Jahres schwanger – bei regelmäßigem Geschlechtsverkehr ohne Verhütung. Sollte dies nicht der Fall sein, empfiehlt sich eine ärztliche Abklärung.
Ihre Frauenärztin oder Ihr Frauenarzt kann durch eine gezielte Diagnostik mögliche Ursachen erkennen – z. B. hormonelle Störungen, Endometriose, verschlossene Eileiter oder Infektionen.
Auch die Untersuchung des Partners (Spermiogramm) kann Aufschluss geben.
Falls nötig, können kinderwunschmedizinische Verfahren wie hormonelle Stimulation, Insemination oder In-vitro-Fertilisation (IVF) in Kooperation mit spezialisierten Kinderwunschzentren angeboten werden.
Mentale Gesundheit und Entspannung
Stress kann den Hormonhaushalt beeinflussen und die Empfängnis erschweren. Gönnen Sie sich daher ausreichend Ruhe und suchen Sie sich Wege, um zu entspannen – etwa durch Spaziergänge, Yoga oder bewusste Auszeiten.
Eine positive Einstellung und Geduld sind in dieser Lebensphase besonders wichtig.
Weitere Informationen
Ausführliche Informationen rund um das Thema Kinderwunsch finden Sie auf der Website des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF):
👉 www.frauenaerzte-im-netz.de
Literatur / Quellen
- Robert Koch-Institut (RKI): Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO), Stand 2025. rki.de
- Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): Leitlinie „Präkonzeptionelle Beratung“. dggg.de
- Berufsverband der Frauenärzte (BVF): Patienteninformation „Kinderwunsch“. berufsverband-frauenärzte.de
- Embryotox (Charité Berlin): Arzneimittelsicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit. embryotox.de
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr in Schwangerschaft und Stillzeit, Stand 2025. dge.de
Schwangerschaftsbetreuung
Im Rahmen der Schwangerschaftsbetreuung richten wir uns nach der Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (BGA). Diese legt den Inhalt bzw. Betreuungsumfang während der Schwangerschaft und im Wochenbett fest. So heißt es im BGA-Beschluss: „Durch die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung sollen mögliche Gefahren für Leben und Gesundheit von Mutter oder Kind abgewendet sowie Gesundheitsstörungen rechtzeitig erkannt und der Behandlung zugeführt werden. Die ärztliche Beratung der Versicherten umfasst bei Bedarf auch Hinweise auf regionale Unterstützungsangebote für Eltern und Kind (z. B. „Frühe Hilfen“).
Bei unkomplizierten Einlingsschwangerschaften sieht der Gesetzgeber bis zur 31+6 SSW vierwöchige Kontrolltermine in der frauenärztlichen Praxis vor. Ab der 32+0 SSW liegt die Frequenz bei 2 Wochen. Der Gesetzgeber sieht drei Ultraschalluntersuchungen, die zu folgenden Zeitpunkten erfolgen, im Rahmen der Schwangerschaft vor:
8 + 0 bis 11 + 6 SSW (1. Screening)
18 + 0 bis 21 + 6 SSW (2. Screening)
28 + 0 bis 31 + 6 SSW (3. Screening)
Sollten sich im Verlauf auffällige Befunde bei Ihrem Kind oder bei Ihnen zeigen, finden selbstverständlich häufigere Ultraschalluntersuchungen statt und eine engmaschige Kontrolle wird durch uns erfolgen.
Beim ersten Termin nach ausgebliebener Regelblutung und positivem Schwangerschaftstest geht es vor allem um die Frage der Lokalisation der Schwangerschaft. Diese kann sich in der Gebärmutterhöhle, ggf. aber auch im Eileiter befinden – bei letzterer handelt es sich um eine Eileiterschwangerschaft, die in ca. 1% der Schwangerschaften auftritt und medikamentös oder über eine Bauchspiegelung behandelt werden kann.
Routinemäßig erfolgen im Rahmen der Schwangerschaft Blutentnahmen. Hierbei untersucht man u. a. die Röteln-Immunität. Röteln können in der Schwangerschaft zu Fehlbildungen bei Ihrem Kind führen. Sollten bei Ihnen zwei Impfungen erfolgt sein, brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Sollte nur eine oder sogar keine Röteln-Impfung erfolgt sein, empfiehlt man eine bzw. zwei Impfungen mindestens vier Wochen vor Schwangerschaftseintritt. Ferner gehören in den Umfang der Blutentnahme die Untersuchung auf Syphilis, HIV (nach Einverständnis der Patientin) und ein Antikörpersuchtest. In späteren Schwangerschaftswochen erfolgt ein weiterer Antikörpersuchtest sowie eine Untersuchung auf das Vorliegen von Hepatitis B.
Zudem ist der 50-g-Zuckerbelastungstest im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge als Screeninguntersuchung zur Detektion eines Schwangerschaftsdiabetes vorgesehen. Sollte dabei ein Wert > 135 mg/dl entdeckt werden, würde sich ein 75-g-Zuckerbelastungstest anschließen. Laut HAPO-Studie lag bei 33% der Frauen mit GDM alleinig eine Erhöhung des Nüchtern-Blutzuckerwertes vor, diese werden durch den 50 g-OGTT allerdings nicht erfasst. Zudem zeigen sich oft falsch positive Ergebnisse. Wir empfehlen Ihnen daher initial einen 75-g-Zuckerbelastungstest, die Kosten müssen Sie in diesem Fall allerdings selber tragen.
Spätestens ab der 27. SSW erfolgen in regelmäßigen Abständen in unserer Praxis CTG-Kontrollen.
Im Rahmen der Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft bieten wir zusätzlich das Ersttrimesterscreening, das Präeklampsiescreening, das IIb-Screening und die Doppleruntersuchung (bei Vorliegen einer entsprechenden Indikation) an.
Natürlich liegen in unserer Praxis auch die Genehmigungen der Kassenärztlichen Vereinigung zur weiterführenden Sonographie I und II in der Schwangerschaft sowie zur weiterführenden Dopplersonographie II nach der Ultraschall-Vereinbarung gemäß § 135 Abs. 2 SGB V vor.
Zeitlicher Ablauf der Schwangerschaftvorsorgen
Gesetzliche Mutterschaftsvorsorge
Die gesetzlich vorgegebenen Mutterschaftsrichtlinien bieten Ihnen ein Angebot für medizinische notwendige Leistungen. Kontinuierliche Untersuchungen sind die Voraussetzungen dafür, Schwangerschaftrisiken und -komplikationen zu erkennen und zu behandeln.
Frauenärztliche Untersuchung
Diese wird zunächst alle 4 Wochen, später alle 2 Wochen durchgeführt, Sie beinhaltet:
- Gespräch
- Untersuchung der Scheide und der Gebärmutter
- Blutdruck
- Urin
- Gewicht
- Ggf. Hämoglobinbestimmung
- Ausschluss einer Chlamydieninfektion (zu Beginn der Schwangerschaft mit Hilfe einer Urinprobe)
Blutuntersuchung
Zu Beginn der Schwangerschaft erfolgt die Bestimmung der Blutgruppe, Rhesusfaktor und die Durchführung eines Antikörperbluttests um ggf eine Blutgruppenunverträglichkeit frühzeitig festzustellen.
Weiterhin erfolgt ein Suchtest auf Lues (Syphillis, eine Geschlechtskrankheit) und ein test auf Rötelnantikörper. Empfohlen wir der Test auf HIV. Nach der 32. Schwangerschaftswoche erfolgt ein Test auf Hepatitis B.
Screening auf Schwangerschaftsdiabetes
Der Zuckertest wird zwischen der 24. Und 28. Schwangerschaftswoche durchgeführt. Hierbei trinken Sie eine Lösung mit 50g Zucker. Anschließend wird Blut abgenommen
Ultraschalluntersuchungen
Dreimal während der schwangerschaft ist eine Beurteilung der Entwicklung Ihres Kindes per Ultraschall vorgesehen.
- Basisuntraschall (9. – 12. SSW)
- 2. Basisultraschall (19. – 22. SSW), Hier wählen Sie zwischen Basis- und erweitertem Basisultraschall
- 3. Basisultraschall (29. – 32. SSW)
Sinnvolle Zusatzleistungen
Ersttrimesterscreening
(NackentransparenzMessung im Ultraschall und Blutabnahme)
Bei der so genannten Nackentransparenz („Nackenfalte“) handelt es sich um eine Flüssigkeitsansammlung im Nackenbereich des Kindes. Bei einigen Erkrankungen (z.B. Herzfehlern) und bei Chromosomenstörungen kann die Nackentransparenz verbreitert sein. Zusammen mit bestimmten Laborwerten (ßHCG und PAPP-A) kann daraus das Risiko für eine Trimosomie errechnet werden. Ergibt sich hierbei ein hohes Risiko sollte ggf. eine Fruchtwasserpunktion erfolgen. Bei einem mittleren Risiko empfiehlt man einen so genannten NIP-Test.
Präeklampsiescreening
(„Schwangerschaftsvergiftung“)
Eine Präeklampsie tritt in 2-8% aller schwangerschaften auf. Sie gehört zu den häufigsten Gründen für mütterliche und kindliche Erkrankungen. Im Rahmen des Ersttrimesterscreenings kann zusätzlich auch das Risiko für die Entwicklung einer Präeklampsie errechnet werden (zusätzlicher Dopplerultraschall der Gebärmutterarterien und Laborwert PLGF). Wird ein hohes Risiko ermittelt, kann man durch Einnahme von Aspirin das Risiko deutlich senken.
Schwangerschaftsultraschall
Zusätzlich zu den drei in den Mutterschaftsrichtlinien vorgesehenen Ultraschalluntersuchungen bieten wir Ihnen bei jeder Schwangerschaftsvorsorge einen Ultraschall an. Dabei können Wachstum und Entwicklung, sowie das Geschlecht Ihres Babys beurteilt werden.
Verbesserter Schwangerschaftsdiabetes-Test (Zuckertest)
Von den Krankenkassen wird nur ein einfacher Zuckertest, bei dem ein Wert bestimmt wird, bezahlt. Deutlich genauer ist ein Test, bei dem drei Werte bestimmt werden.

Die erste Vorsorgeuntersuchung in der Schwangerschaft

Die erste Vorsorgeuntersuchung in der Schwangerschaft
Ein positiver Schwangerschaftstest ist für viele ein ganz besonderer Moment – oft begleitet von Freude, Aufregung und auch einige
n Fragen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, einen Termin zur ersten Vorsorgeuntersuchung in unserer Praxis zu vereinbaren. Diese Untersuchung bildet den Startpunkt Ihrer Schwangerschaftsbetreuung und schafft die Grundlage für eine sichere und gesunde Schwangerschaft.
Das System der Vorsorgeuntersuchungen basiert auf den sogenannten Mutterschafts-Richtlinien, die seit vielen Jahrzehnten eine wichtige Grundlage der Schwangerenbetreuung in Deutschland bilden und regelmäßig aktualisiert werden.
Ablauf der ersten Vorsorgeuntersuchung
Die erste Untersuchung gliedert sich in drei Abschnitte:
Gespräch – Körperliche Untersuchung – Laboruntersuchung
1. Das Gespräch
Zunächst wird Ihre Frauenärztin oder Ihr Frauenarzt im Gespräch wichtige Informationen zu Ihrer gesundheitlichen Vorgeschichte und Ihrem Lebensumfeld erfassen. Diese sogenannte Anamnese hilft, mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen und Sie individuell zu beraten.
Beispielsweise geht es um Fragen wie:
- Wann war der erste Tag Ihrer letzten Monatsblutung (zur Berechnung des voraussichtlichen Geburtstermins)?
- Gab es frühere Schwangerschaften oder Geburten?
- Bestehen chronische Erkrankungen oder haben Sie Operationen hinter sich?
- Welche Impfungen liegen vor, insbesondere gegen Röteln, Masern oder Keuchhusten?
- Gibt es in Ihrer Familie Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck?
- Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?
- Wie sieht Ihre berufliche oder familiäre Belastungssituation aus?
Dieses Gespräch bildet die Basis für Ihre individuelle Betreuung in den kommenden Monaten.
2. Die körperliche Untersuchung
Im Anschluss folgt eine gründliche körperliche Untersuchung:
- Größe, Gewicht und Blutdruck werden erfasst, um Ihre gesundheitliche Entwicklung während der Schwangerschaft zu dokumentieren.
- Gebärmutter und Eierstöcke werden untersucht, um den Verlauf der Schwangerschaft zu bestätigen und eventuelle Auffälligkeiten auszuschließen.
- Eine gynäkologische Untersuchung dient der Beurteilung von Scheide und Muttermund; dabei wird auch auf Infektionen getestet, die eine Schwangerschaft gefährden könnten.
3. Die Laboruntersuchungen
Ergänzend erfolgen verschiedene Laboruntersuchungen von Blut und Urin:
- Urinuntersuchung: Überprüfung auf Eiweiß, Zucker und Bakterien, um beispielsweise Harnwegsinfekte oder einen beginnenden Schwangerschaftsdiabetes frühzeitig zu erkennen.
- Blutuntersuchung:
- Bestimmung von Hämoglobin (Eisenwert)
- Blutgruppenbestimmung und Rhesusfaktor
- Röteln-Antikörpertest (sofern keine Immunität bekannt ist)
- Hepatitis-B-Test
- HIV-Test (nur mit Ihrem Einverständnis)
Alle Ergebnisse werden im Mutterpass dokumentiert, der Sie während der gesamten Schwangerschaft begleitet.
Zusatzuntersuchungen (IGeL)
Neben den in den Mutterschafts-Richtlinien vorgesehenen Untersuchungen gibt es ergänzende, sogenannte Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL). Diese können in bestimmten Situationen sinnvoll sein – etwa bei besonderen Risiken oder auf Wunsch der Patientin. Dazu zählen z. B. Tests auf Toxoplasmose, Zytomegalie, Ringelröteln, das Ersttrimesterscreening oder das Präeklampsiescreening.
Bitte lassen Sie sich hierzu in unserer Praxis ausführlich beraten. Je nach Krankenkasse können einige dieser Leistungen im Rahmen von Sonderverträgen oder Erstattungsmodellen übernommen werden.
Weitere Informationen
Detaillierte Informationen rund um Vorsorgeuntersuchungen und den Ablauf einer Schwangerschaft finden Sie auch auf der Website des Berufsverbandes der Frauenärzte e. V. unter
👉 www.frauenaerzte-im-netz.de
Mutterpass
Der Mutterpass
Das wichtigste Dokument Ihrer Schwangerschaft
Der Mutterpass begleitet Sie durch die gesamte Schwangerschaft und ist das zentrale Dokument für alle medizinischen Informationen. Er enthält sämtliche Befunde, Laborwerte, Ultraschallergebnisse und Eintragungen zu Ihrem Gesundheitszustand und dem Ihres Kindes.
Sie erhalten Ihren Mutterpass bei einer der ersten Vorsorgeuntersuchungen in der Praxis.
Bitte bewahren Sie den Mutterpass sorgfältig auf und führen Sie ihn möglichst immer bei sich.
So können bei allen Untersuchungen und – falls einmal ein Notfall eintritt – sofort alle wichtigen Daten eingesehen werden.
Der Mutterpass wurde in Deutschland vor rund 60 Jahren von Frauenärztinnen und Frauenärzten entwickelt. Das Ziel war, eine einheitliche und sichere Dokumentation der Schwangerenvorsorge zu schaffen. Dieses Konzept hat sich bis heute bewährt und wird kontinuierlich aktualisiert.
Aufbau und Inhalte des Mutterpasses
Der Mutterpass ist übersichtlich aufgebaut und gliedert sich in mehrere Abschnitte, die wichtige Informationen zu Ihrer Gesundheit und zur Entwicklung Ihres Kindes enthalten. Im Folgenden finden Sie einen Überblick über die wichtigsten Seiten und deren Bedeutung:
Seite 1 – Kontaktdaten
Hier werden die wichtigsten persönlichen Informationen vermerkt:
Ihre Daten, die Praxisstempel Ihrer betreuenden Frauenärztin bzw. Ihres Frauenarztes sowie gegebenenfalls der Name Ihrer Hebamme.
So ist jederzeit ersichtlich, wer Sie medizinisch betreut.
Seite 2 – 3: Laboruntersuchungen und Infektionsschutz
Gleich zu Beginn der Schwangerschaft werden verschiedene Blut- und Urinuntersuchungen durchgeführt. Sie dienen der Erfassung Ihres allgemeinen Gesundheitszustandes und der Früherkennung von Erkrankungen, die den Schwangerschaftsverlauf beeinflussen könnten.
- Blutgruppe und Rhesusfaktor: Diese Angaben sind besonders im Fall einer Bluttransfusion oder bei einer möglichen Rhesus-Unverträglichkeit zwischen Mutter und Kind wichtig.
- Antikörpersuchtest: Er dient der Erkennung von Blutgruppen-Antikörpern, die sich gegen das Blut des Kindes richten könnten. Bei Rhesus-negativen Schwangeren wird dieser Test routinemäßig wiederholt.
- Röteln-HAH-Test: Überprüft, ob Sie einen ausreichenden Schutz gegen Röteln besitzen. Eine Immunität schützt Ihr ungeborenes Kind vor schweren Fehlbildungen.
- Chlamydien-Nachweis (Urintest): Eine unerkannte Infektion könnte zu Frühgeburtlichkeit oder Infektionen beim Neugeborenen führen und wird daher frühzeitig ausgeschlossen.
- Lues-Such-Reaktion (Syphilis-Test): Test auf eine seltene, aber gefährliche Infektionskrankheit, die das Kind schädigen könnte.
- Hepatitis-B-Test (HBs-Antigen): Wird bereits zu Beginn der Schwangerschaft durchgeführt, um eine mögliche Virusübertragung auf das Kind zu verhindern.
- HIV-Test: Dieser Test wird nach Aufklärung und nur mit Ihrem Einverständnis angeboten. Eine frühzeitige Diagnose ermöglicht einen wirksamen Schutz für Ihr Kind.
Seite 4: Angaben zu vorangegangenen Schwangerschaften
Hier werden Informationen zu früheren Schwangerschaften, Geburten oder eventuellen Komplikationen dokumentiert.
Diese Angaben helfen Ihrer Ärztin bzw. Ihrem Arzt, mögliche Risikofaktoren einzuschätzen.
Begriffe wie Spontangeburt, Sectio (Kaiserschnitt) oder Abort (Fehlgeburt) werden hier vermerkt.
Auf dieser Seite wird außerdem bestätigt, dass Sie zu folgenden Themen beraten wurden:
- Ernährung, Genussmittel und Medikamente in der Schwangerschaft
- Berufliche Belastung, Sport und Reisen
- Risikofaktoren und Geburtsvorbereitung
- HIV-Test und Zahngesundheit
Seite 5 – 6: Anamnese und besondere Befunde
Diese Seiten enthalten Angaben zu Ihren bisherigen Erkrankungen und Risikofaktoren, die den Verlauf der Schwangerschaft beeinflussen könnten.
Hier finden sich medizinische Fachbegriffe, z. B.:
- Adipositas – starkes Übergewicht
- Gestationsdiabetes – Schwangerschaftsdiabetes
- Placenta praevia – der Mutterkuchen liegt vor dem Muttermund
- Isthmozervikale Insuffizienz – Schwäche des Gebärmutterhalses
- Rhesus-Inkompatibilität – Unverträglichkeit der Blutgruppen von Mutter und Kind
Diese Informationen helfen, Ihre Schwangerschaft individuell und sicher zu begleiten.
Seite 7 – 8: Schwangerschaftsbeobachtungsbogen (Gravidogramm)
Hier werden bei jeder Vorsorgeuntersuchung aktuelle Werte eingetragen:
- Schwangerschaftswoche (SSW)
- Fundusstand (Höhenstand der Gebärmutter – Rückschluss auf das Wachstum des Kindes)
- Herztöne und Kindsbewegungen
- Blutdruck, Gewicht, Urinbefunde und Hämoglobinwert
- Lage des Kindes (z. B. SL = Schädellage, BEL = Beckenendlage)
So lässt sich der Schwangerschaftsverlauf übersichtlich und vergleichbar darstellen.
Seite 9: Besonderheiten während der Schwangerschaft
Hier werden besondere Ereignisse, Krankenhausaufenthalte oder zusätzliche Untersuchungen dokumentiert.
Auch Ergebnisse von CTG-Messungen (Herzton-Wehenschreiber) werden hier eingetragen.
Seite 10 – 14: Ultraschalluntersuchungen
In diesen Abschnitten werden die Ergebnisse der drei regulären Ultraschalluntersuchungen eingetragen, die während der Schwangerschaft stattfinden.
Dabei wird unter anderem vermerkt:
- Sitz der Schwangerschaft in der Gebärmutter
- Entwicklung und Größe des Kindes (z. B. SSL = Scheitel-Steiß-Länge, BPD = Kopfdurchmesser, FL = Femurlänge)
- Herzaktionen, Plazentalage und Fruchtwassermenge
- Eventuelle Auffälligkeiten oder weiterführende Ultraschalluntersuchungen
Auf Seite 13 finden sich zudem Normkurven zum fetalen Wachstum, anhand derer das individuelle Wachstum Ihres Kindes beurteilt wird.
Seite 15 – 16: Nach der Geburt und Wochenbett
Nach der Entbindung werden auf diesen Seiten die Geburtsdaten und der Zustand Ihres Kindes eingetragen (z. B. Geburtsmodus, Lage, APGAR-Wert, pH-Wert).
Auch Ihre körperliche Erholung, der Wochenfluss und die Rückbildung der Gebärmutter werden hier dokumentiert.
Die Abschlussuntersuchung nach etwa 6 bis 8 Wochen rundet die Betreuung ab.
Der elektronische Mutterpass
Seit 2022 sollte es den Mutterpass auch in digitaler Form geben. Leider verzögert sich die Einführung weiterhin. Sollte es darüber etwas Neues geben, werden Sie natürlich von uns informiert.
Abkürzungen und Begriffe – eine kleine Orientierung
Im Mutterpass finden sich zahlreiche Kürzel. Hier einige der häufigsten:
- o. B. = ohne Befund
- pos. / neg. = positiver bzw. negativer Befund
- Hb = Hämoglobinwert (Eisenstatus)
- RR = Blutdruck
- Ödeme / Varikosis = Wasseransammlungen bzw. Krampfadern
- CTG = Cardiotokogramm (Herzton-Wehenschreiber)
Sprechen Sie uns bei Unklarheiten gerne an – wir erklären Ihnen, was die Eintragungen bedeuten.
Unser Fazit
Der Mutterpass ist Ihr persönliches „medizinisches Tagebuch“ während der Schwangerschaft – ein Dokument, das Ihnen und allen beteiligten Fachpersonen Sicherheit gibt.
Bitte bringen Sie ihn zu jedem Termin mit – auch zur Hebammenbetreuung oder ins Krankenhaus.
Weitere Informationen und hilfreiche Erklärungen finden Sie auf der Website des
Berufsverbandes der Frauenärzte e. V.
👉 www.frauenaerzte-im-netz.de
NIPT
Im Blut einer schwangeren Frau lassen sich genetische Informationen des ungeborenen Kindes nachweisen. Ab der 10. Schwangerschaftswoche (SSW) kann durch eine einfache Blutentnahme geprüft werden, ob eine Trisomie 13 (Pätau-Syndrom), Trisomie 18 (Edwards-Syndrom) oder Trisomie 21 (Down-Syndrom) vorliegt.
Seit Juli 2022 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für den nicht-invasiven Pränataltest (NIPT), sofern die Ärztin oder der Arzt gemeinsam mit der Schwangeren zu dem Schluss kommt, dass der Test in ihrer individuellen Situation sinnvoll ist.
Das Risiko für eine Trisomie 21 steigt mit dem Alter der Mutter. Während es bei einer 20- bis 24-jährigen Schwangeren bei etwa 8 von 10.000 Fällen liegt, beträgt es bei einer 40-jährigen bereits 163 von 10.000 Fällen.
Der NIPT gibt eine Einschätzung zu den genannten Trisomien und optional zu bestimmten geschlechtschromosomalen Auffälligkeiten. Andere genetische Syndrome oder Fehlbildungen können durch diesen Test nicht festgestellt werden. Daher wird eine Kombination mit einem Ersttrimester-Screening sowie einer weiterführenden Feindiagnostik empfohlen.
Sollte der Test auf eine Trisomie hinweisen, ist zur endgültigen Abklärung eine Chorionzottenbiopsie (Gewebeentnahme aus dem Mutterkuchen ab der 12. SSW) oder eine Amniozentese (Fruchtwasseruntersuchung ab der 16. SSW) ratsam. Diese Untersuchungen ermöglichen eine sichere Diagnose.
Der NIPT liefert in seltenen Fällen falsche Ergebnisse. In etwa einem von 10.000 Fällen bleibt eine tatsächlich vorliegende Trisomie 21 unerkannt (falsch-negatives Ergebnis). Umgekehrt zeigt der Test in etwa 5 von 10.000 Fällen eine Trisomie 21 an, obwohl sie nicht existiert (falsch-positives Ergebnis).
Weitere detaillierte Informationen finden Sie in der Versicherteninformation des Gemeinsamen Bundesausschusses.
Ersttrimesterscreening
Beim Ersttrimester-Screening werden d

as mütterliche Alter, die Dicke der Nackentransparenz (NT) sowie die Serummarker freies Beta-hCG und PAPP-A miteinander kombiniert, um das individuelle Risiko für Chromosomenstörungen – insbesondere Trisomie 21 – zu berechnen. Darüber hinaus können schwerwiegende Fehlbildungen und genetische Syndrome frühzeitig erkannt werden.
Die fetale Nackentransparenz wird im Rahmen einer gezielten Ultraschalluntersuchung zwischen der 12. und 14. Schwangerschaftswoche gemessen. In Kombination mit dem mütterlichen Alter lassen sich auf diese Weise etwa 75 % der Kinder mit einer Trisomie 21 identifizieren. Wird zusätzlich eine Blutuntersuchung durchgeführt, bei der die Konzentration der Hormone freies ß-HCG und PAPP-A bestimmt wird, erhöht sich die Erkennungsrate für chromosomale Störungen auf etwa 90 %.
Die Nackentransparenzmessung ist eine nicht-invasive Methode und hat sich in den letzten Jahren als bevorzugte Strategie zur Risikoeinschätzung etabliert. Sie soll der Schwangeren als wissenschaftlich fundierte Entscheidungsgrundlage dienen, ob sie eine weiterführende invasive Diagnostik wie eine Amniozentese in Erwägung zieht. Wichtig zu beachten ist, dass das Ersttrimester-Screening keine Diagnose stellt, sondern lediglich eine individuelle Risikobewertung liefert. Daher ist es nicht in den Mutterschaftsrichtlinien enthalten und gehört nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung.
Präeklampsiescreening
Was ist eine Präeklampsie?
Liebe Patientin,
die Präeklampsie (oft auch „Schwangerschaftsvergiftung“ genannt) ist eine ernstzunehmende Komplikation, die meist in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft auftritt. Etwa 2–5 % aller Schwangeren sind betroffen.
Typische Merkmale sind Bluthochdruck und Eiweißausscheidung im Urin, teils begleitet von Beeinträchtigungen der Leber, Nieren, des Nervensystems oder der Blutgerinnung. Auch die Durchblutung der Plazenta kann vermindert sein, was das Wachstum des ungeborenen Kindes beeinträchtigen kann. In schweren Fällen ist eine vorzeitige Entbindung notwendig, um Mutter und Kind zu schützen.
Durch moderne Screeningverfahren lässt sich ein erhöhtes Risiko heute frühzeitig erkennen – und durch gezielte Maßnahmen in vielen Fällen vermeiden.
Wer ist besonders gefährdet?
Ein erhöhtes Risiko für eine Präeklampsie besteht u. a. bei:
- Übergewicht (BMI > 35)
- Alter über 40 Jahre
- Chronischem Bluthochdruck
- Präeklampsie in einer früheren Schwangerschaft
- Familiärer Vorbelastung (Mutter oder Schwester)
- Diabetes mellitus
- Nieren- oder Lebererkrankungen
- Autoimmunerkrankungen (z. B. Antiphospholipid-Syndrom)
Symptome auf einen Blick
Leitsymptome:
- Bluthochdruck
- Erhöhte Eiweißausscheidung im Urin
Weitere mögliche Beschwerden:
- Kopfschmerzen, Sehstörungen, Augenflimmern
- Schwindel, Übelkeit, Erbrechen
- Schwellungen (Ödeme), rasche Gewichtszunahme
- Schmerzen im Oberbauch, allgemeines Unwohlsein
Da viele dieser Symptome unspezifisch sind, ist die regelmäßige Kontrolle beim Frauenarzt besonders wichtig.
Das Präeklampsie-Screening
Das Präeklampsie-Screening dient der Früherkennung eines erhöhten Erkrankungsrisikos und sollte idealerweise zwischen der 11. und 14. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden.
Es umfasst:
- Erhebung der medizinischen Vorgeschichte
- Blutdruckmessung an beiden Armen
- Bestimmung der Eiweiße PAPP-A und PLGF im mütterlichen Blut
- Doppler-Ultraschall der Gebärmutterarterien (Aa. uterinae)
Aus diesen Daten wird ein individueller Risikowert berechnet, der das Auftreten einer Präeklampsie im späteren Schwangerschaftsverlauf vorhersagen kann.
Das Screening kann problemlos mit dem Ersttrimesterscreening (z. B. auf Trisomien) kombiniert werden.
Vorbeugung mit niedrig dosiertem Aspirin (ASS)
Wenn das Screening ein erhöhtes Risiko ergibt, kann durch die vorbeugende Gabe von 150 mg Acetylsalicylsäure (ASS)täglich das Auftreten einer Präeklampsie deutlich reduziert werden – in Studien um über 60 %.
Wichtig ist ein früher Beginn vor der 16. Schwangerschaftswoche, da nur dann die gewünschte vorbeugende Wirkung erzielt wird.
Die Einnahme wird in der Regel bis zur 36. Schwangerschaftswoche fortgeführt.
Niedrig dosiertes Aspirin gilt als sicher und gut verträglich für Mutter und Kind.
Ablauf in unserer Praxis
- Die Blutentnahme und der Doppler-Ultraschall erfolgen direkt in unserer Praxis.
- Die Blutprobe wird an ein spezialisiertes Labor (z. B. Labor Amedes) versandt.
- Das Ergebnis liegt meist nach wenigen Tagen vor.
- Falls gewünscht, kann das Präeklampsie-Screening gleichzeitig mit dem Ersttrimesterscreening erfolgen.
Fazit
Das Präeklampsie-Screening ermöglicht eine frühe Risikoeinschätzung und eröffnet die Möglichkeit einer wirksamen Vorbeugung.
So können Komplikationen in der Schwangerschaft in vielen Fällen vermieden und das Wohl von Mutter und Kind nachhaltig geschützt werden.
Sprechen Sie uns gern an – wir beraten Sie individuell.
Literatur / Quellen:
- Akolekar R et al. Fetal Diagn Ther. 2013;33(1):8–15.
- Poon LC et al. Am J Obstet Gynecol. 2017;217(6):585.e1–585.e17.
- Rolnik DL et al. ASPRE Trial. N Engl J Med. 2017;377:613–622.
- ACOG Committee Opinion No. 743. Low-Dose Aspirin Use During Pregnancy. Obstet Gynecol. 2018;132:e44–e52.
- NICE Guideline NG133. Hypertension in pregnancy: diagnosis and management. 2023.
- FMF Deutschland. Präeklampsie-Screening – Informationen für Ärztinnen und Patientinnen (aktualisiert 2024).
Infektionen in der Schwangerschaft
Es gibt eine Reihe von Krankheitserregern, die das Kind im Mutterleib oder nach der Geburt gefährden können. Um eine Ansteckung vermeiden bzw. rechtzeitige Maßnahmen zum Schutz des Kindes einleiten zu können ist es wichtig, zu wissen, ob die Mutter eine dieser Erkrankungen auf das Kind übertragen könnte.
Nachweis von Chlamydia trachomatis-Antigen
Eine Chlamydien-Infektion bei der Mutter kann durch die Analyse einer Urinprobe nachgewiesen oder ausgeschlossen werden. Die Erreger können Entzündungen der Lunge, der Augen oder der Harnwege verursachen. Ist die Scheide der Schwangeren infiziert, besteht zudem das Risiko, dass die Chlamydien während der Geburt auf das Kind übertragen werden. Der Chlamydiennachweis gehört zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen und wird bei der Schwangerschaftsfeststellung automatisch durchgeführt.
Röteln / Varizellen (Windpocken)
Röteln- und Windpocken-Impfung vor der Schwangerschaft
Eine Röteln-Infektion während der Schwangerschaft kann für das ungeborene Kind erhebliche Risiken mit sich bringen.
In Deutschland werden Kinder standardmäßig zweimal gegen Röteln geimpft, um sie vor einer Infektion zu schützen. Falls Sie nicht oder nur einmal geimpft wurden, wird eine zweimalige Impfung oder eine einmalige Auffrischimpfung empfohlen.
Da es sich bei der Röteln-Impfung um einen Lebendimpfstoff handelt, darf sie während der Schwangerschaft nicht verabreicht werden. Daher sollte die Impfung idealerweise mindestens vier Wochen vor einer geplanten Schwangerschaft erfolgen.
Dasselbe gilt für die Windpocken-Impfung. Kinder erhalten heutzutage standardmäßig eine Impfung gegen Windpocken. Vor einer Schwangerschaft sollten Sie prüfen, ob Sie die Krankheit bereits in der Kindheit durchgemacht haben oder geimpft sind. Falls Unsicherheiten bestehen, kann eine Antikörper-Bestimmung im Blut Aufschluss darüber geben. Sollten weder eine Impfung noch eine frühere Erkrankung vorliegen, wird eine zweimalige Impfung empfohlen.
Mögliche Auswirkungen einer Röteln-Infektion auf das ungeborene Kind:
- Hohe Fehlbildungsrate bei einer Infektion in der Schwangerschaft (sogenannte Gregg-Trias: Herzfehlbildungen, Augenanomalien, Innenohrschwerhörigkeit).
Mögliche Auswirkungen einer Windpocken-Infektion:
- Seltener als bei Röteln, aber möglich: Fehlbildungen der Extremitäten, Wachstumsverzögerung, Hautvernarbungen, Schädigungen des Gehirns.
Die Impfungen können in unserer Praxis durchgeführt werden – sprechen Sie uns gerne darauf an.
Parvovirus B19- Infektion = Ringelröteln (Erythema infectiosum) in der Schwangerschaft
Ringelröteln sind eine typische Kinderkrankheit, die im Erwachsenenalter häufig ohne Symptome verläuft. Falls Beschwerden auftreten, können diese Hautausschlag, Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Durchfall umfassen.
Etwa 50 % aller Frauen hatten bereits in der Vergangenheit eine Ringelröteln-Infektion und sind dadurch immun.
In der Schwangerschaft ist nur eine erstmalige Infektion potenziell gefährlich für das ungeborene Kind. In etwa 33 % der Fälle wird das Virus auf das Kind übertragen, was zu schwerwiegenden Komplikationen führen kann. Dazu gehören ein Hydrops fetalis (eine ausgeprägte Flüssigkeitsansammlung im Körper des Fetus) sowie in seltenen Fällen Herzfehler, Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten oder Augenerkrankungen. Zudem kann das Risiko einer Fehlgeburt erhöht sein.
Eine Impfung gegen Ringelröteln ist nicht verfügbar. Allerdings kann zu Beginn der Schwangerschaft der Immunstatus der werdenden Mutter überprüft werden. Diese Untersuchung ist jedoch eine Selbstzahlerleistung – sprechen Sie uns gerne darauf an.
Besonders für Mütter von Kindergartenkindern ist der Nachweis wichtig, da der Hauptübertragungsweg über Kinder unter sechs Jahren geht.
Cytomegalievirus (CMV) in der Schwangerschaft
Eine Cytomegalievirus (CMV)-Infektion stellt nur dann eine Gefahr für das ungeborene Kind dar, wenn die Mutter sich erstmals während der Schwangerschaft infiziert. Bei Erwachsenen verläuft die Infektion häufig unbemerkt, gelegentlich treten grippeähnliche Symptome auf.
Etwas mehr als die Hälfte aller schwangeren Frauen hatte bisher keine CMV-Infektion. In diesen Fällen wird empfohlen, engen Kontakt mit Kleinkindern – insbesondere das Teilen von Besteck oder das Küssen auf den Mund – zu vermeiden, um das Risiko einer Erstinfektion zu reduzieren.
Da es keine Impfung gegen CMV gibt, kann eine Blutuntersuchung zu Beginn der Schwangerschaft Aufschluss über den Immunstatus geben. Diese Untersuchung ist eine Selbstzahlerleistung – sprechen Sie uns bei Interesse gerne an.
Toxoplasmose in der Schwangerschaft
Toxoplasmose ist eine in der Regel harmlose Infektion, die hauptsächlich durch den Verzehr von nicht ausreichend erhitztem Fleisch oder den Kontakt mit Katzenkot übertragen wird. Wer die Krankheit bereits durchgemacht hat, besitzt entsprechende Antikörper im Blut und ist immun.
Eine Erstinfektion während der Schwangerschaft sollte unbedingt vermieden werden, da sie schwerwiegende Schäden am Gehirn und den Augen des ungeborenen Kindes verursachen kann.
Auch hier ist keine Impfung möglich, aber die Überprüfung ihres Immunstatus über eine Blutentnahme als Selbstzahlerleistung. Sprechen Sie uns bei Interesse an.
B-Streptokokken-Infektion in der Schwangerschaft
Eine Infektion der Mutter mit Streptokokken der Gruppe B kann für das Neugeborene ernsthafte gesundheitliche Folgen haben, wenn die Bakterien während der Geburt übertragen werden. Daher kann es aus medizinischer Sicht sinnvoll sein, in den letzten Schwangerschaftswochen festzustellen, ob eine Infektion vorliegt.
Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfiehlt ein Screening auf B-Streptokokken für alle Schwangeren in der 36. Schwangerschaftswoche. Dieses Screening ist jedoch derzeit nicht in den Mutterschaftsrichtlinien verankert und wird von den Krankenkassen nur in bestimmten Risikofällen übernommen. Dazu zählen unter anderem:
- Frühgeburten vor der 37. Schwangerschaftswoche
- Ein vorzeitiger Blasensprung mit mehreren Stunden bis zur Geburt
- Vorangegangene Schwangerschaften, bei denen eine Infektion des Kindes aufgetreten ist
Schwangere ohne besondere Risikofaktoren können den Test als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) in Anspruch nehmen und müssen die Kosten von 20 Euro selbst tragen.
Nahrungsergänzungsmittel bei Kinderwunsch und Schwangerschaft
Nahrungsergänzungsmittel bei Kinderwunsch und Schwangerschaft
Folsäure
Bereits vor Eintreten einer Schwangerschaft – idealerweise etwa 3 Monate vorher – wird eine Supplementierung mit Folsäure empfohlen. Dieses Vorgehen dient der Risikoreduktion von Neuralrohrdefekten (z. B. „offener Rücken“) beim ungeborenen Kind.
Die DGE empfiehlt für Frauen mit Kinderwunsch oder zu Beginn der Schwangerschaft eine zusätzliche Einnahme von 400 µg synthetischer Folsäure pro Tag oder äquivalenter Folatformen. Die Einnahme sollte mindestens vier Wochen vor der Konzeption beginnen und bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels fortgeführt werden. DGE+2bsa-akademie.de+2
Wenn die Supplementierung erst kurz vor oder nach der Empfängnis beginnt, wird eine höhere Dosis (z. B. 800 µg/Tag) empfohlen. DGE+1
Lebensmittel mit einem hohen Folatgehalt sind z. B. grünes Blattgemüse (z. B. Spinat, Grünkohl), Hülsenfrüchte (z. B. Kichererbsen, Linsen), Vollkornprodukte, Salate und Erdnüsse.
Jod
Eine ausreichende Jodzufuhr sollte ab Kinderwunsch bzw. ab Beginn der Schwangerschaft sichergestellt werden. Die DGE empfiehlt eine zusätzliche Einnahme von 100 bis 150 µg Jod pro Tag in Schwangerschaft und Frühstillzeit. DGE+2Gesundheitsportal+2
Lebensmittel mit Jod sind beispielsweise Seefisch (z. B. Seelachs), Milchprodukte (Käse, Joghurt), Eier sowie die Nutzung von jodiertem Speisesalz (sofern sinnvoll).
Bei vorliegenden Schilddrüsenerkrankungen (z. B. Hashimoto-Thyreoiditis) sollte die Einnahme und Dosierung von Jod unbedingt ärztlich abgeklärt werden. Gesundheitsportal
Eisen
Während der Schwangerschaft ist der tägliche Eisenbedarf erhöht – v. a. im letzten Drittel der Schwangerschaft. Die DGE führt für das Eisen bei Schwangeren einen Richtwert von etwa 27 mg pro Tag auf. Verbraucherzentrale.de+1
Allerdings: Eine routinemäßige, allgemeine Eisensupplementierung ohne vorherige Diagnostik wird nicht empfohlen. Die Einnahme sollte nur bei diagnostiziertem Eisenmangel bzw. Eisenmangelanämie erfolgen. DGE+1
Lebensmittel mit guten Eisenquellen sind z. B. rotes Fleisch, Hülsenfrüchte (Erbsen, Linsen), Nüsse, Vollkornprodukte sowie grüne Gemüse wie Brokkoli oder Spinat. Bei vegetarischer oder veganer Ernährung ist die Eisenversorgung besonders zu prüfen.
Vitamin D
Während der Schwangerschaft sollte ein ausreichender Vitamin-D-Spiegel angestrebt werden, da ein Mangel mit Risiken wie Präeklampsie, Frühgeburtlichkeit oder einem kleinen Geburtsgewicht („SGA-Kind“) assoziiert ist. KKH+1
Wenn die körpereigene Bildung durch Sonnenlicht nicht ausreicht (z. B. wenig Aufenthalt im Freien, dunkler Hauttyp, Ganzkörperverhüllung), empfiehlt die DGE bzw. andere deutsche Quellen eine zusätzliche Einnahme von 20 µg Vitamin D pro Tag (≈ 800 I.E.). Verbraucherzentrale.de+1
Omega-3-Fettsäuren (insbesondere DHA)
Langkettige Omega-3-Fettsäuren wie Docosahexaensäure (DHA) spielen eine Rolle bei der kindlichen Hirnentwicklung sowie der Netzhautentwicklung. Die DGE empfiehlt: Wenn nicht regelmäßig fettreicher Seefisch verzehrt wird (z. B. eine Portion pro Woche), kann etwa 200 mg DHA pro Tag sinnvoll sein. DGE+1
Lebensmittelquelle: Fettiger Seefisch (z. B. Lachs, Hering, Makrele) oder als Alternative pflanzliche Öle wie Leinöl bzw. Algenöl.
Besonderheiten bei bestimmten Ernährungssituationen
- Vegetarierinnen / Veganerinnen: Eine ovo-lacto-vegetarische Ernährung kann grundsätzlich auch in der Schwangerschaft den Bedarf an den meisten Nährstoffen decken – jedoch sollte eine gezielte Beratung erfolgen. Bei rein pflanzlicher (veganer) Ernährung sind besonders kritisch: Vitamin B₁₂, Eisen, Jod, DHA, Zink und Calcium. Die DGE empfiehlt hier eine ärztliche Überprüfung und ggf. Supplementierung. DGE+1
- Nahrungsmittelunverträglichkeiten / Allergien: Bei z. B. Milch- oder Sojaproteinunverträglichkeit, Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) oder anderen Allergien kann die Ernährung eingeschränkt sein – dies erhöht das Risiko für Nährstoffdefizite. Eine sorgfältige Ernährungs- und ggf. Supplementberatung ist wichtig.
- Nach bariatrischen Operationen: Patientinnen nach z. B. Magenbypass oder Sleeve-Gastrektomie haben häufig eine veränderte Nährstoffaufnahme und -verwertung (z. B. Eisen, Vitamin B₁₂, Folsäure, Calcium, Vitamin D). Vor und während der Schwangerschaft ist hier eine engmaschige Kontrolle sowie ggf. Supplementierung erforderlich.
Fazit
Eine ausgewogene Ernährung bleibt die optimale Grundlage – doch bei Kinderwunsch und Schwangerschaft gibt es Nährstoffe, bei denen eine gezielte Ergänzung sinnvoll ist (insbesondere Folsäure und Jod). Supplemente ersetzen nichteine gute Ernährung, sondern können gezielt Lücken schließen. Wichtig: individuelle Situation und Risikofaktoren (Ernährung, Allergien, Operationen, Schilddrüsenerkrankung) berücksichtigen – stets in Absprache mit der betreuenden Gynäkologin bzw. dem Gynäkologen.
Literatur / Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) : „Handlungsempfehlungen – Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit“ DGE
- Verbraucherzentrale : „Jod, Folsäure, Eisen… Welche Nahrungsergänzungen brauchen Schwangere?“ Verbraucherzentrale.de
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) : „Sufficient intake of iodine and folic acid are important for pregnant and breastfeeding women“ Bundesinstitut für Risikobewertung
- Verbraucherzentrale Baden-Württemberg : „Mehr drin als nötig – Nahrungsergänzung rund um Schwangerschaft und Stillzeit“ Verbraucherzentrale Baden-Württemberg
Impfungen in der Schwangerschaft
Impfungen in der Schwangerschaft
Bester Schutz für Sie und Ihr Kind
Ihren Impfstatus überprüfen
Wenn Sie eine Schwangerschaft planen oder bereits schwanger sind, ist es wichtig, Ihren Impfstatus rechtzeitig zu prüfen. Impfungen können Sie und Ihr ungeborenes Kind vor Infektionen schützen, die in der Schwangerschaft besonders gefährlich sein können.
Alle fehlenden oder notwendigen Impfungen – mit Ausnahme von Lebendimpfstoffen (z. B. Masern, Mumps, Röteln, Windpocken) – können in der Schwangerschaft grundsätzlich nachgeholt werden.
Durch Impfungen gebildete Antikörper werden über die Plazenta auf das Kind übertragen und verleihen ihm in den ersten Lebenswochen einen sogenannten Nestschutz, bis es selbst geimpft werden kann.
Impfungen vor der Schwangerschaft
Vor einer geplanten Schwangerschaft sollten insbesondere folgende Impfungen überprüft und ggf. aufgefrischt werden:
- Masern, Mumps, Röteln (MMR) – bei fehlender Immunität; Lebendimpfstoff, daher vor Schwangerschaft impfen.
- Varizellen (Windpocken) – bei fehlender Immunität ebenfalls vor Eintritt einer Schwangerschaft impfen.
- HPV-Impfung – nach den STIKO-Empfehlungen für junge Frauen bis 26 Jahre, idealerweise vor der Schwangerschaft.
Impfungen während der Schwangerschaft
Die STIKO (Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut) empfiehlt in jeder Schwangerschaft folgende Impfungen:
🩺 Pertussis (Keuchhusten)
Empfohlen in jeder Schwangerschaft, idealerweise im 3. Trimenon (bei Frühgeburtsrisiko bereits im 2. Trimenon).
Diese Impfung schützt die Mutter und überträgt gleichzeitig schützende Antikörper auf das Neugeborene.
💉 Influenza (Grippe)
Empfohlen ab dem 2. Trimenon, bei bestehender Grunderkrankung bereits früher.
Die Impfung schützt vor schweren Krankheitsverläufen und reduziert das Risiko für Frühgeburten.
🦠 RSV-Impfung (Respiratorisches Synzytial-Virus)
Seit 2023 ist ein Impfstoff gegen das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) für Schwangere zugelassen.
Diese Impfung kann zwischen der 24. und 36. Schwangerschaftswoche verabreicht werden und soll Neugeborene in den ersten Lebensmonaten vor schweren RSV-Infektionen schützen.
Die STIKO empfiehlt derzeit die RSV-Impfung als ergänzende Schutzmaßnahme, insbesondere in der kalten Jahreszeit.
👉 Wichtig: Die Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen ist noch nicht bundesweit einheitlich geregelt. Einige Krankenkassen übernehmen die Kosten bereits auf freiwilliger Basis. Bitte sprechen Sie uns an – wir informieren Sie, ob Ihre Krankenkasse die Impfung erstattet.
💉 COVID-19-Impfung
Für ungeimpfte oder unvollständig geimpfte Schwangere wird eine Impfung ab dem 2. Trimenon mit einem mRNA-Impfstoff empfohlen.
🧬 Weitere Impfungen nach individueller Indikation
(z. B. Hepatitis B, Tetanus, Diphtherie, FSME, Reiseimpfungen) können bei entsprechender Indikation auch während der Schwangerschaft verabreicht werden.
Nicht erlaubt sind Impfungen mit Lebendimpfstoffen (z. B. MMR, Varizellen, Gelbfieber).
Warum sind Impfungen in der Schwangerschaft wichtig?
- Sie schützen Mutter und Kind vor schweren Krankheitsverläufen.
- Durch die maternale Immunisierung wird das Neugeborene über Antikörper geschützt („Nestschutz“).
- Impfungen reduzieren das Risiko von Frühgeburten, Komplikationen und Neugeboreneninfektionen.
- Sie tragen zu einem gesunden Start ins Leben bei – sowohl für Sie als auch für Ihr Baby.
Unser Tipp
- Bringen Sie Ihren Impfausweis zu jedem Vorsorgetermin mit.
- Wir prüfen gemeinsam, welche Impfungen aktuell sinnvoll sind.
- Besonders bei Kinderwunsch, chronischen Erkrankungen oder Risikoschwangerschaften ist eine individuelle Impfberatung empfehlenswert.
Fazit
Impfungen in der Schwangerschaft sind ein wesentlicher Bestandteil moderner Vorsorgemedizin.
Sie schützen nicht nur die werdende Mutter, sondern auch das ungeborene Kind – durch den Aufbau eines frühzeitigen Immunschutzes.
Sprechen Sie uns an – wir beraten Sie gern individuell und überprüfen Ihren Impfstatus.
Literatur / Quellen
- Robert Koch-Institut (RKI) – Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO), Stand Januar 2025:
rki.de/impfempfehlungen - Berufsverband der Frauenärzte (BVF) – Flyer „Impfungen in der Schwangerschaft – Bester Schutz für dich und dein Kind“, Stand 2025:
berufsverband-frauenärzte.de - Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) – Handlungsempfehlungen zu Impfungen in der Schwangerschaft:
dggg.de - Deutsches Grünes Kreuz (DGK) – Impfschutz für Schwangere, aktualisiert 2024:
dgk.de - Bundesministerium für Gesundheit (BMG) – Informationen zu Schutzimpfungen und Kostenübernahme:
bundesgesundheitsministerium.de
Verhalten und Ernährung in der Schwangerschaft
Verhalten und Ernährung in der Schwangerschaft
Wichtige Empfehlungen für eine gesunde Schwangerschaft
Eine ausgewogene Ernährung und ein bewusster Lebensstil tragen entscheidend zu einer gesunden Schwangerschaft bei – für das Wohlbefinden der werdenden Mutter ebenso wie für die Entwicklung des Kindes. Einige Gewohnheiten sollten in dieser besonderen Zeit angepasst werden, um mögliche Risiken zu vermeiden.
Ernährung in der Schwangerschaft
- Fisch und Fleisch sollten stets gut durchgegart verzehrt werden. Auf rohes oder halbrohes Fleisch (z. B. Mett, Tatar, Carpaccio, Salami) sowie rohen Fisch (z. B. Sushi, Räucherlachs) sollte verzichtet werden. So wird das Risiko einer Infektion mit Toxoplasmose oder Listerien deutlich reduziert.
- Gemüse und Obst immer gründlich waschen, um Krankheitserreger zu vermeiden.
- Eier sollten immer hart gekocht oder vollständig gebraten werden, um eine mögliche Salmonelleninfektionauszuschließen.
- Fettreiche Raubfische mit hohem Quecksilbergehalt (z. B. Thunfisch, Heilbutt, Königsmakrele, Steinbeißer) sollten gemieden werden. Unbedenkliche Alternativen sind Lachs, Seelachs, Forelle, Kabeljau, Hering und Sardinen.
- Auf den Verzehr von Rohmilchprodukten (z. B. Rohmilchkäse) sollte verzichtet werden. Käse aus pasteurisierter Milch ist unproblematisch.
- Alkohol, Nikotin und andere Suchtmittel sind in der Schwangerschaft strikt zu vermeiden.
- Koffein in moderater Menge gilt als unbedenklich. Ein bis zwei Tassen Kaffee oder schwarzer Tee pro Tag sind in der Regel unproblematisch.
- Eine ausgewogene, vitaminreiche Kost mit ausreichend Folsäure, Eisen, Jod, Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D unterstützt die gesunde Entwicklung des Kindes. Wir beraten Sie gern zur optimalen Ergänzung.
Verhalten und Lebensweise
- Wenn keine medizinischen Einschränkungen bestehen (z. B. keine Gebärmutterhalsschwäche, Plazenta praevia oder Blutungen), sind Sport und Geschlechtsverkehr in der Schwangerschaft grundsätzlich möglich und oft sogar förderlich. Empfehlenswert sind Bewegungsformen mit moderater Belastung wie Schwimmen, Yoga oder Spazierengehen.
- Bei nicht vorhandener Immunität gegen Toxoplasmose sollte der Kontakt mit Katzenkot vermieden werden (z. B. Reinigung des Katzenklos nicht durch die Schwangere). Auch bei Gartenarbeit ist Handschuhtragen ratsam, um eine mögliche Infektionsgefahr durch verunreinigte Erde zu vermeiden.
- Eine zahnärztliche Kontrolle wird während der Schwangerschaft ausdrücklich empfohlen. Zahnfleischentzündungen und Karies können mit einem erhöhten Risiko für Frühgeburten in Zusammenhang stehen.
- Medikamente in der Schwangerschaft sollten nur nach Rücksprache mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt eingenommen werden.
- Aktuelle, wissenschaftlich geprüfte Informationen zur Verträglichkeit von Arzneimitteln in der Schwangerschaft und Stillzeit finden Sie auf der Website des Pharmakovigilanz- und Beratungszentrums www.embryotox.de (Charité – Universitätsmedizin Berlin).
Zusammenfassung
Ein bewusster Umgang mit Ernährung, Bewegung und Medikamenten unterstützt Sie dabei, die Schwangerschaft gesund zu gestalten und Risiken für Sie und Ihr Kind zu vermeiden.
Wir beraten Sie gerne individuell zu Ihrer Ernährung, zu sinnvollen Nahrungsergänzungen sowie zu sicheren Medikamenten in der Schwangerschaft.
Literatur / Quellen
- Robert Koch-Institut (RKI): Empfehlungen zur Prävention von Infektionskrankheiten in der Schwangerschaft.
rki.de - Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): Leitlinien zu Ernährung und Verhalten in der Schwangerschaft.
dggg.de - Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): Ernährung in der Schwangerschaft – aktuelle Empfehlungen.
bzfe.de - Embryotox – Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Berlin:Informationen zu Medikamenten in Schwangerschaft und Stillzeit.
www.embryotox.de - Berufsverband der Frauenärzte (BVF): Informationsflyer „Ernährung und Verhalten in der Schwangerschaft“, Stand 2025.
berufsverband-frauenärzte.de
Schwangerschaftsphasen
Die drei Schwangerschaftsphasen
Eine Schwangerschaft ist eine besondere Zeit im Leben jeder Frau – körperlich, emotional und seelisch.
Sie dauert im Durchschnitt etwa 40 Wochen bzw. 280 Tage – gerechnet ab dem ersten Tag der letzten Regelblutung.
Diese Zeit wird in drei Abschnitte, sogenannte Trimester oder Trimenone, unterteilt.
Jede Phase hat ihre eigenen Merkmale, Veränderungen und Meilensteine – für Sie und Ihr Kind.
Das erste Trimenon (1.–13. Schwangerschaftswoche)
Der Beginn einer neuen Lebensphase
In den ersten Wochen der Schwangerschaft stellt sich Ihr Körper vollständig um.
Hormone wie Progesteron und hCG (humanes Choriongonadotropin) steigen an und sorgen dafür, dass die Schwangerschaft erhalten bleibt.
Diese hormonellen Veränderungen führen häufig zu Müdigkeit, Übelkeit, Brustspannen oder Stimmungsschwankungen – typische, aber meist harmlose Begleiterscheinungen.
Was passiert im Körper
- Ihr Körper beginnt, sich auf die Versorgung des Embryos einzustellen.
- Die Gebärmutterschleimhaut baut sich auf, um das heranwachsende Kind zu schützen und zu ernähren.
- Das Herz Ihres Babys beginnt bereits um die 6. Schwangerschaftswoche zu schlagen.
- Mit etwa 12 Wochen ist das Kind rund 6–9 cm groß und besitzt bereits ein Gesicht, ein Nervensystem sowie kleine Arme und Beine, die es bewegen kann.
Empfehlungen für diese Phase
- Gönnen Sie sich ausreichend Ruhe und Schlaf – Ihr Körper arbeitet auf Hochtouren.
- Achten Sie auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit reichlich frischem Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und Eiweiß.
- Folsäure ist in dieser Phase besonders wichtig, da sie zur Entwicklung des Neuralrohrs beiträgt. Ideal ist eine Supplementierung schon vor Eintritt der Schwangerschaft.
- Verzichten Sie konsequent auf Alkohol, Nikotin und Drogen.
- Besprechen Sie jede Medikamenteneinnahme – auch frei verkäufliche Präparate – mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Informationen finden Sie auch unter www.embryotox.de.
Medizinische Untersuchungen
Beim ersten Vorsorgetermin wird die Schwangerschaft per Ultraschall bestätigt. Dabei prüft die Ärztin oder der Arzt:
- Sitzt die Fruchthöhle korrekt in der Gebärmutter?
- Gibt es einen Herzschlag?
- Liegt eine Einlings- oder Mehrlingsschwangerschaft vor?
- Wie weit ist die Schwangerschaft fortgeschritten (Ermittlung des Entbindungstermins)?
Zwischen der 11. und 14. Woche kann auf Wunsch die Nackenfaltenmessung oder ein nicht-invasiver Pränataltest (NIPT) erfolgen. Diese Untersuchungen dienen der Früherkennung von genetischen Auffälligkeiten.
Das Risiko einer Fehlgeburt ist im ersten Trimenon am höchsten, sinkt jedoch nach der 12. Woche deutlich. Für viele Frauen ist dies der Zeitpunkt, die Schwangerschaft im Familien- oder Freundeskreis zu teilen.
Das zweite Trimenon (14.–27. Schwangerschaftswoche)
Die stabile Phase – Wohlbefinden und Aktivität
Das zweite Schwangerschaftsdrittel empfinden viele Frauen als besonders angenehm.
Der Körper hat sich auf die hormonellen Veränderungen eingestellt, die Übelkeit klingt meist ab, und Sie fühlen sich stabiler und energiegeladener.
Was passiert im Körper
- Ihr Baby wächst rasant: Am Ende des 6. Monats ist es etwa 30 cm groß und rund 600 g schwer.
- Das Kind bewegt sich aktiv, dreht sich, tritt und reagiert zunehmend auf Reize – viele Frauen spüren ab der 20. Woche die ersten Kindsbewegungen.
- Die Organe sind vollständig angelegt und beginnen, zu funktionieren.
- Das Gehör entwickelt sich: Ihr Kind nimmt Geräusche wahr – Ihre Stimme, Musik, Herzschlag und Umgebungsgeräusche.
Empfehlungen für diese Phase
- Leichte körperliche Aktivität ist ausdrücklich erwünscht: Schwimmen, Yoga, Spaziergänge oder Radfahrenfördern das Wohlbefinden.
- Vermeiden Sie übermäßige Belastung oder Sportarten mit Sturzrisiko.
- Achten Sie auf ausreichend Flüssigkeitszufuhr und Ballaststoffe, um Verstopfung vorzubeugen.
- Regelmäßige Bewegung unterstützt die Durchblutung und senkt das Thromboserisiko.
- Ab der 20. Woche ist eine Anmeldung zum Geburtsvorbereitungskurs sinnvoll – gerne gemeinsam mit dem Partner oder der Partnerin.
Medizinische Untersuchungen
Zwischen der 19. und 22. Schwangerschaftswoche erfolgt die zweite große Ultraschalluntersuchung:
- Beurteilung von Wachstum, Organentwicklung, Plazenta und Fruchtwasser
- Kontrolle der Herzaktionen und Bewegungen
- Auf Wunsch kann das Geschlecht erkannt werden
Auch spezielle Organdiagnostik (Feindiagnostik) kann in dieser Phase erfolgen, wenn medizinisch notwendig oder gewünscht.
Das dritte Trimenon (28.–40. Schwangerschaftswoche)
Die Vorbereitungsphase auf die Geburt
Im letzten Schwangerschaftsdrittel wächst Ihr Kind weiter kräftig heran und bereitet sich auf das Leben außerhalb des Mutterleibs vor.
Auch Sie spüren zunehmend die körperlichen Veränderungen – die Gebärmutter nimmt an Größe zu, der Bauch wird runder, das Atemvolumen verringert sich.
Was passiert im Körper
- Ihr Baby wiegt zum Ende der Schwangerschaft etwa 3–4 kg und misst rund 50 cm.
- Es legt vermehrt Fettreserven an, die Lunge reift und produziert Surfactant, eine Substanz, die das Atmen nach der Geburt ermöglicht.
- Die Bewegungen werden kräftiger, aber seltener, da der Platz im Bauch enger wird.
- Gegen Ende des Trimesters senkt sich das Köpfchen in das Becken – ein Zeichen für die Geburtsvorbereitung.
Empfehlungen für diese Phase
- Ruhen Sie sich regelmäßig aus und vermeiden Sie langes Stehen.
- Leichte Bewegung, etwa Spazierengehen, kann helfen, Kreislauf und Muskulatur zu stärken.
- Achten Sie auf Zeichen vorzeitiger Wehen (regelmäßige Kontraktionen, Druckgefühl nach unten, Ausflussveränderungen) – bei Unsicherheit kontaktieren Sie bitte Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
- Jetzt ist auch der Zeitpunkt, die Krankenhaustasche vorzubereiten und sich über die Geburtsklinik oder Hebammenpraxis zu informieren.
- Denken Sie an den Mutterschutz, der in der Regel 6 Wochen vor und 8 Wochen nach der Geburt gilt.
Medizinische Untersuchungen
Im dritten Trimenon erfolgen die Vorsorgeuntersuchungen in kürzeren Abständen (alle zwei Wochen).
Neben Blutdruck, Gewicht und Urin werden regelmäßig die Kindsbewegungen, Lage des Babys und Herztöneüberprüft.
Zwischen der 29. und 32. Woche findet die dritte Ultraschalluntersuchung statt.
Gegebenenfalls folgt eine CTG-Kontrolle, um Herztöne und Wehentätigkeit zu beurteilen.
Fazit
Jede Phase der Schwangerschaft ist einzigartig und bringt ihre eigenen Herausforderungen und Glücksmomente mit sich.
Mit einer gesunden Lebensweise, regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen und einer guten ärztlichen Betreuung schaffen Sie die besten Voraussetzungen für eine sichere Schwangerschaft und die gesunde Entwicklung Ihres Kindes.
Wir begleiten Sie gerne durch alle drei Phasen – mit Erfahrung, Fürsorge und Zeit für Ihre Fragen.
Literatur und Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): Leitlinien zur Betreuung in der Schwangerschaft und nach der Geburt
- Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut
- Berufsverband der Frauenärzte e. V. (BVF): www.frauenaerzte-im-netz.de
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Informationsreihe „Schwanger – was jetzt?“
- Embryotox: Arzneimittelinformation für Schwangerschaft und Stillzeit – www.embryotox.de
Stillvorbereitung
Stillvorbereitung
Gut informiert – schon während der Schwangerschaft
Das Thema Stillen wird im Verlauf der Schwangerschaft zunehmend wichtiger. Vielleicht stellen sich bereits jetzt Fragen wie:
Soll ich stillen? Möchte ich das? Und wenn ja, wie lange ist es sinnvoll?
Diese Überlegungen sind ganz normal. Ziel ist es, dass Sie gut informiert und selbstbestimmt entscheiden können, was für Sie und Ihr Kind richtig ist. Auch Ihr Praxisteam, Ihre Frauenärztin oder Ihr Frauenarzt sowie Ihre Hebamme beraten Sie gerne schon während der Schwangerschaft zu allen Fragen rund um das Stillen.
Warum Stillen so besonders ist
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, Säuglinge in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich zu stillen.
Muttermilch ist optimal auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt: Sie enthält alle wichtigen Nährstoffe, unterstützt die Entwicklung des Immunsystems und schützt vor Infektionen.
Auch für die Mutter bietet das Stillen Vorteile. Es kann die Rückbildung der Gebärmutter fördern, das Risiko bestimmter Krebserkrankungen (z. B. Brust- oder Eierstockkrebs) senken und stärkt die emotionale Bindung zum Kind. Viele Frauen empfinden das Stillen zudem als eine besonders innige und bereichernde Erfahrung.
Der Körper bereitet sich früh auf das Stillen vor
Bereits ab etwa der 16. Schwangerschaftswoche (SSW) beginnt die Brust, sich auf das Stillen vorzubereiten. Es wird das sogenannte Kolostrum gebildet – eine gelbliche, dickflüssige Milch, die besonders viele Abwehrstoffe enthält.
Diese „Vormilch“ stärkt unmittelbar nach der Geburt das Immunsystem des Neugeborenen und ist die beste natürliche Starthilfe für den noch empfindlichen Organismus.
Gut vorbereitet – mit der richtigen Unterstützung
Die Schwangerschaft ist ein guter Zeitpunkt, um sich umfassend über das Stillen zu informieren.
- Sprechen Sie beim nächsten Vorsorgetermin Ihre Frauenärztin oder Ihren Frauenarzt auf das Thema an. Gerne können Ihnen qualifizierte Stillberaterinnen oder Hebammen empfohlen werden.
- Viele Geburtskliniken oder Geburtshäuser bieten Stillinformationsveranstaltungen oder Stillvorbereitungskurse an.
- Aktuelle und geprüfte Informationen finden Sie zudem beim „Netzwerk Gesund ins Leben“ unter www.gesund-ins-leben.de.
Auch der Austausch mit anderen Müttern kann hilfreich sein. Persönliche Erfahrungen sind oft wertvolle Ergänzungen zur fachlichen Beratung.
Praktische Vorbereitung auf die Stillzeit
Stillen ist ein Lernprozess – für Mutter und Kind gleichermaßen. Wichtig ist, sich Zeit und Ruhe für diese Phase zu nehmen.
Bereiten Sie sich schon während der Schwangerschaft auf die ersten Wochen nach der Geburt vor:
- Planen Sie Unterstützung im Alltag ein (z. B. beim Einkaufen, Kochen oder im Haushalt).
- Sorgen Sie für eine ruhige und entspannte Atmosphäre im Wochenbett.
- Nehmen Sie Hilfsangebote von Familie, Freunden oder Partnerin/Partner an.
Sollte das Stillen nicht sofort reibungslos funktionieren, ist das kein Grund zur Sorge. Mit fachlicher Unterstützung – etwa durch Ihre Hebamme oder eine Stillberaterin – lässt sich fast immer eine gute Lösung finden.
Stillen und Beruf – gut vereinbar
Auch wenn Sie nach der Geburt frühzeitig wieder berufstätig werden möchten, müssen Sie auf das Stillen nicht verzichten.
Das Mutterschutzgesetz gewährt stillenden Müttern das Recht, während der Arbeitszeit zu stillen oder Milch abzupumpen. Diese Zeit gilt als Arbeitszeit und muss nicht nachgearbeitet werden.
Sprechen Sie am besten rechtzeitig mit Ihrem Arbeitgeber über die praktischen Möglichkeiten, um das Stillen oder Abpumpen in Ihren Arbeitsalltag zu integrieren.
Ihre Entscheidung zählt
Ob Sie stillen möchten oder nicht, ist eine sehr persönliche Entscheidung. Niemand kann oder sollte Ihnen diese Entscheidung abnehmen.
Auch wenn das Stillen nicht möglich ist oder Sie sich bewusst dagegen entscheiden, können Sie Ihr Kind liebevoll, sicher und gesund versorgen. Entscheidend ist, dass Sie sich wohlfühlen und die Bedürfnisse Ihres Babys nach Nähe und Nahrung zuverlässig erfüllt werden.
Weiterführende Informationen und Literatur
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): Empfehlungen zum Stillen
- Netzwerk Gesund ins Leben, Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): Informationen zur Stillförderung
- Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): Leitlinie „Betreuung von Neugeborenen und Stillenden“
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Informationen unter www.familienportal.nrw/stillen
- embryotox.de: Fachlich geprüfte Informationen zu Medikamenten in Schwangerschaft und Stillzeit
Wochenbettdepression
Psychische Gesundheit: Baby-Blues und Wochenbettdepression
In den Medien wird die Zeit von Schwangerschaft und Geburt häufig als ungetrübte Abfolge glücklicher Momente dargestellt. In der Realität erleben viele Frauen (und auch Männer) jedoch, dass diese Lebensphase sehr fordernd sein kann – körperlich wie seelisch.
Die Umstellung auf die neue Lebenssituation, Schlafmangel, hormonelle Veränderungen und das Gefühl der Verantwortung für ein Neugeborenes können zu einer emotionalen Belastung werden. Stimmungsschwankungen sind dabei zunächst nichts Ungewöhnliches. Manchmal entwickeln sich daraus jedoch ernstzunehmende psychische Erkrankungen, die professionelle Unterstützung erfordern.
Emotionale Krisen und depressive Verstimmungen
Bereits während der Schwangerschaft, aber auch nach der Entbindung, kann es zu Phasen von Niedergeschlagenheit, Angst oder Überforderung kommen. Diese Beschwerden können kurzzeitig auftreten, sich aber auch über Wochen oder Monate entwickeln und in eine Wochenbettdepression übergehen.
Wichtig ist: Sie sind mit diesen Gefühlen nicht allein. Viele Frauen erleben ähnliche Phasen – und es ist kein Zeichen von Schwäche, Hilfe anzunehmen.
Ihre Frauenärztin oder Ihr Frauenarzt, Ihre Hebamme oder auch Ihre Hausärztin bzw. Ihr Hausarzt sind in solchen Situationen wichtige erste Anlaufstellen und können Sie beraten, begleiten und gegebenenfalls weitere Unterstützung vermitteln.
Was ist der Baby-Blues?
Der sogenannte Baby-Blues ist ein vorübergehendes Stimmungstief, das etwa 50 bis 80 Prozent aller Frauen in den ersten Tagen nach der Geburt betrifft.
Er beginnt meist zwischen dem 3. und 5. Tag nach der Entbindung und kann einige Stunden bis mehrere Tage anhalten.
Typische Auslöser sind:
- hormonelle Veränderungen,
- Schlafmangel,
- körperliche Erschöpfung
- und die emotionale Anpassung an die neue Rolle als Mutter.
In dieser Zeit liegen Freude und Tränen oft eng beieinander. Die Gefühle können zwischen Glück, Rührung und Traurigkeit schwanken, ohne dass es dafür einen konkreten Grund gibt.
Wenn diese Phase jedoch länger als zwei Wochen anhält oder sich die Symptome verstärken, kann das auf den Beginn einer Wochenbettdepression hinweisen.
Typische Symptome des Baby-Blues
Die Anzeichen sind individuell verschieden, häufig treten jedoch auf:
- Stimmungsschwankungen und erhöhte Empfindsamkeit
- Traurigkeit und häufiges Weinen
- Erschöpfung und Energiemangel
- Schlafstörungen oder Unruhe
- Reizbarkeit oder Ängstlichkeit
- Konzentrationsschwierigkeiten oder Appetitlosigkeit
Diese Symptome sind in den ersten Tagen nach der Geburt häufig und in der Regel vorübergehend. Wenn sie jedoch bestehen bleiben oder sich verschlimmern, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.
Was ist eine Wochenbettdepression?
Eine Wochenbettdepression (postpartale Depression) unterscheidet sich vom Baby-Blues durch ihre Dauer und Intensität.
Sie kann bereits kurz nach der Geburt, aber auch erst Wochen oder Monate später einsetzen – in manchen Fällen bis zu einem Jahr nach der Entbindung.
Frauen, die schon vor der Schwangerschaft Erfahrungen mit Depressionen oder Angststörungen gemacht haben, sind häufiger betroffen.
Mögliche Symptome einer Wochenbettdepression
- Anhaltende tiefe Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit oder Gefühlsleere
- Verlust von Freude und Interesse an früher positiven Dingen
- Starke Selbstzweifel und Schuldgefühle („Ich bin keine gute Mutter“)
- Ängste, Panikgefühle oder übermäßige Sorgen um das Baby
- Konzentrations- und Schlafstörungen, auch unabhängig vom Stillen
- Grübeln, innere Unruhe oder körperliche Anspannung
- Appetitlosigkeit oder Gewichtsveränderungen
- Gedanken, sich oder dem Kind etwas anzutun
Wenn Sie sich in dieser Beschreibung wiedererkennen, sprechen Sie bitte möglichst frühzeitig mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme. Eine Wochenbettdepression ist keine persönliche Schwäche, sondern eine behandelbare Erkrankung, bei der frühzeitige Unterstützung entscheidend ist.
Weitere psychische Erkrankungen im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt
Neben Baby-Blues und Wochenbettdepression können auch andere Krankheitsbilder auftreten, beispielsweise:
- Peripartale Angst- und Zwangsstörung:
Gekennzeichnet durch intensive Ängste, Panikattacken oder aufdrängende Zwangsgedanken (z. B. die Sorge, dem Baby unabsichtlich zu schaden). - Peripartale Psychose:
Eine sehr seltene, aber schwere Erkrankung, die meist kurz nach der Geburt beginnt. Typisch sind ausgeprägte Stimmungsschwankungen, Wahnvorstellungen, Verwirrtheit oder Veränderungen der Persönlichkeit.
Eine peripartale Psychose ist ein psychiatrischer Notfall und muss sofort ärztlich behandelt werden.
Alle genannten Störungen können fließend ineinander übergehen oder gleichzeitig auftreten. Eine frühzeitige fachärztliche Begleitung ist daher besonders wichtig.
Hilfe und Unterstützung
Bei Verdacht auf eine psychische Erkrankung rund um die Geburt sollten Sie sich umgehend an Ihre Frauenärztin bzw. Ihren Frauenarzt, Ihre Hebamme oder eine Fachärztin bzw. einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapiewenden.
Auch spezialisierte Einrichtungen, Krisendienste und Selbsthilfegruppen bieten Unterstützung an.
Hilfreiche Adressen:
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
- Telefonseelsorge (kostenfrei, 24 h erreichbar): 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222
- Hilfetelefon „Schwangere und Familien in Not“: 0800 40 40 020
- www.schatten-und-licht.de – Selbsthilfeorganisation für peripartale psychische Erkrankungen
- www.familienportal.de – Informationen zu Hilfsangeboten nach der Geburt
Fazit
Psychische Belastungen nach der Geburt sind häufig und nichts, wofür sich jemand schämen müsste. Entscheidend ist, die eigenen Gefühle ernst zu nehmen und Unterstützung anzunehmen, bevor Überforderung entsteht.
Je früher Hilfe gesucht wird, desto besser sind die Chancen auf eine schnelle Besserung und eine stabile, liebevolle Bindung zwischen Mutter, Vater und Kind.
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